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Workshops – Samstag, 12. September 2026 | 14–15:30

Wie lassen sich kognitive Beschwerden klinisch einordnen – und welche Ätiologie steckt dahinter?

Der Workshop vermittelt praxisnah die syndromale Differenzierung von SCD, MCI und Demenz sowie die ätiologische Zuordnung häufiger neurodegenerativer Erkrankungen. Anhand von Fallbeispielen und neuropsychologischen Befunden vollziehen die Teilnehmenden diagnostische Entscheidungswege und typische Leistungsprofile nach. Interaktive Übungen fördern den Transfer in die klinische Praxis und laden zur gemeinsamen Diskussion ein. Der Workshop richtet sich an alle, die ihre diagnostische Sicherheit im Umgang mit kognitiven Störungen im Demenzkontext vertiefen möchten.

Die Ansprüche an die neuropsychologische Sachverständigentätigkeit gehen über die üblichen Tätigkeitsprofile Klinischer Neuropsycholog*innen hinaus. Neben einer fundierten neuro-psychologische Befähigung mit breiter Erfahrung in der Arbeit mit Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen sind auch rechtliche Kenntnisse und das Wissen zu typischen Prozessabläufen bei Gerichten oder Versicherungsträgern notwendig. Eine leitlinienorientierte und hypothesengeleitete Vorgehensweise ist unverzichtbar. Daneben ist der kollegiale Austausch im Rahmen einer Supervision ein wichtiger Bestandteil, um bei der Entscheidungsfindung das eigene Handeln, sowie die persönlichen Möglichkeiten, Grenzen und Ressourcen reflektieren zu können. In diesem Supervisionsseminar sollen spezifische Fragestellungen aus der eigenen Praxis eingebracht und in einem interaktiven Prozess reflektiert werden. 

Teils spektakuläre Verkehrsunfälle älterer und hochaltriger Autofahrer:innen sorgen im Kontext einer alternden Gesellschaft immer wieder für mediale Aufmerksamkeit und befeuern die kontroverse Diskussion um eine regelmäßige Überprüfung der Fahreignung im höheren Lebensalter. Für die klinische Praxis stellt sich jedoch vor allem die Frage, ab wann eine leichte kognitive Störung (MCI) oder eine Demenz die Fahreignung tatsächlich beeinträchtigt und wie dies valide beurteilt werden kann.

In diesem Workshop beschäftigen wir uns mit den rechtlichen, neuropsychologischen und praktischen Grundlagen der Fahreignungsbeurteilung bei Menschen mit MCI oder Demenz. Dabei wird erarbeitet, welche kognitiven und nicht-kognitiven Faktoren nach aktuellem Forschungsstand mit sicherem bzw. unsicherem Fahrverhalten assoziiert sind, welche neuropsychologischen und verkehrspsychologischen Untersuchungsverfahren für die Einschätzung der Fahreignung geeignet sind und wo die Grenzen testdiagnostischer Aussagen liegen.

Anhand von Fallbeispielen aus der klinischen Praxis werden diagnostische Entscheidungsprozesse diskutiert und Handlungsempfehlungen für den Berufsalltag abgeleitet. Darüber hinaus wird der Frage nachgegangen, inwieweit kompensatorische Maßnahmen und individuelle Unterstützungsstrategien dazu beitragen können, Mobilität und Selbstständigkeit trotz kognitiver Einschränkungen möglichst lange zu erhalten.

Die neuropsychologische Berichterstattung ist im eng getakteten klinischen Alltag eine notwendige Pflichtaufgabe. Oft wird erst im weiteren Verlauf deutlich, wie sehr die darin enthaltenen – oder auch nicht enthaltenen – Aussagen zu Funktionsbeeinträchtigungen, Ressourcen, Entwicklungsperspektiven und Versorgungsbedarfen den Rehabilitationsprozess und die Teilhabe-Chancen der Betroffenen beeinflussen.

Der Workshop verbindet durch das Moderationsteam die juristische mit der neuropsychologischen Perspektive und  beleuchtet die Rolle neuropsychologischer Berichte als Grundlage für das Entlassungsmanagement, die weiterführende Rehabilitation, die Gestaltung schulischer oder beruflicher Wiedereingliederungen und das Geltendmachen von Pflege- wie Rentenleistungen.

Ziel des Workshops ist es, für die sozialrechtlichen Auswirkungen neuropsychologischer Aussagen zu sensibilisieren und die neuropsychologische Berichterstattung über Dokumentationszwecke hinaus als wirksamen fachlichen Beitrag zur Gestaltung von Rehabilitation und Teilhabe einzusetzen.

Der Workshop kann auf die Theorie-Anforderungen des Curriculums Klinische Neuropsychologie wie auf die des Fortbildungscurriculums Neuro-Psychologische Begutachtung angerechnet werden.

Was verändert sich an neuropsychologischer Diagnostik und Therapie, wenn nicht nur eine Hirnschädigung, sondern auch die Entwicklung weitergeht? Wenn Folgen einer Schädigung erst Jahre später sichtbar werden, weil neue Entwicklungsschritte und Anforderungen hinzukommen? Wenn Eltern, Schule, Behandler*innen und Kostenträger unterschiedliche Aufträge haben? Und was passiert, wenn aus einem jugendlichen Patienten mit 18 plötzlich ein Erwachsener wird - obwohl entscheidende Entwicklungsschritte noch ausstehen?

Der Workshop lädt zu einem praxisnahen Ausflug in die Kinder- und Jugendneuropsychologie ein. Anhand von Fallbeispielen aus der ambulanten Praxis, diagnostischem und therapeutischem Material und gemeinsamen Übungen beschäftigen wir uns mit der Frage, was ein neuropsychologischer Befund im Entwicklungs- und Systemkontext eigentlich bedeutet. Dabei geht es um „growing into deficit“, schwankende Testleistungen und die Grenzen standardisierter Diagnostik ebenso wie um Schule, Familie, Teilhabe und den Übergang ins Erwachsenenleben.

Der Workshop richtet sich ausdrücklich auch an Kolleg*innen aus der Erwachsenenneuropsychologie und an alle, die neugierig darauf sind, was die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen fachlich besonders - und vielleicht überraschend reizvoll - macht.